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  • Shadow Tactics: Blade of the Shogun Review by Blinker

    Shadow Tactics: Blades of the Shogun

    Lange lange nix von diesem Titel gehört, obwohl schon im Sommer Beta-Tests stattgefunden haben. Die Entwickler aus München habe ich leider auch nicht gekannt. So wurde ich direkt am 21.11.16, als eine freie Demo auf Steam verfügbar war, auf das Spiel aufmerksam. Demo 10 Stunden gespielt, Vollversion nun bei knapp 40 Stunden und 88% Achievement-Progress. Was hat das Spiel also für mich richtig gemacht, das das Genre der Echtzeit-Taktik knapp 15 Jahre nach dem letzten guten Spiel dieser Art wieder etwas auferstehen lässt? Eigentlich alles…

    Story
    Krieg herrscht in Japan um 1615 rum, der Shogun versucht alles Mögliche, um den Frieden im Lande wieder herzustellen. Verdacht schöpfend nach Ungereimtheiten, Verschwörungen und Missachtung gegenüber ihm, rekrutiert er 5 Assassinen, die in Sabotage-Aktionen und möglichst unentdeckt die Pläne der Feinde vom Shogun aufdecken sollen.

    Die Geschichte wird mit sehr einfachen, aber stimmigen Zwischensequenzen vorangetrieben. Die Gespräche sind vertont (wahlweise auf Englisch oder Japanisch) und werden in einfachen Textboxen auch schriftlich dargestellt. Es gibt keine wilden CGI-Sequenzen, so lapidar alles erzählt wird und dem Spieler vermittelt wird, desto „einfach“, aber gut ist es gemacht. Die Geschichte unterhält, ist mitunter spannend und wartet auch mit einem kleinen Twist auf. Ein allzu grosses Feuerwerk in Sachen Story-Telling sollte man aber nicht erwarten. Sehr positiv hingegen ist jedoch, wie auf die einzelnen Charaktere eingegangen wird. Jeder der 5 Charaktere hat seine positiven sowie negativen Seiten. Die Beziehungen unter den Protagonisten verschärfen sich im Laufe des Spiels und es werden einige interessante Einblicke gegeben. Dies halt, wie gesagt, rudimentär in Textboxen. Anders als bei Commandos z.B. sind mir die 5 Ninjas aber viel mehr ans Herz gewachsen als beim Eidos Ableger.

    Gameplay
    Commandos, Desperados, Robin Hood und die Legende von Sherwood… hach, das waren grandiose Spiele. Wie sehr hab ich dieses Genre vermisst und habs wohl irgendwann aufgegeben nach einem „neuen, modernen“ Ableger zu suchen. Umso effektiver hat Shadow Tactics bei mir eingeschlagen. Die Funktion dieses Spiels ist eigentlich simpel: aus der Vogelperspektive steuere ich meine Charaktere, gebe ihnen per Mausklick befehle, wähle mit (wahlweise von mir festgelegten Tasten) Aktionen aus wie das Meucheln mit dem Ninjato / Dolch / Katana (je nach Charakter), setze Fallen, werfe Steine zur Ablenkung etc. Dabei sind die Maps jeweils mit einer hohen Anzahl an Gegnern besetzt, denen es klug auszuweichen gilt und möglichst keinen Alarm auslöst.
    Denn wenn der Alarm los geht, dann spawnen in nahegelegenen Wachhäusern (erkennbar an der Flagge vor dem Haus) gleich mehrere Wachen und suchen das Gelände ab. Diese bleiben dann auch dort und nehmen eine Patrouille auf. Es ist also nicht so klug, noch mehr Wachen auf der Karte zu haben.

    Natürlich kann auch rabiat vorgegangen werden. Wachen kann man zwar auch mit Faustschlägen ins Reich der Träume schicken, fesseln kann man sie aber nicht. Heisst, sie wachen nach etwa 30 Sekunden wieder auf und suchen ebenfalls das Gelände ab. Dies ist zwar nur in wenigen Missionen Pflicht, um die „töte niemanden“-Abzeichnung zu erhalten, grundsätzlich lässt das Spiel aber dem Spieler freie Wahl, ob er alles niedermetzelt oder den Pazifisten spielt.

    Per „Shadow-Mode“ können mehrere Charaktere gleichzeitig einen Befehl auslösen. Dies ist sehr praktisch, denn mit einem gut geplanten „Shadow-Mode“ können gleich mehrere Gegner von der Bildfläche ausradiert werden.

    Tote Körper versteckt man dann in Häusern, Büschen, Brunnen, Fässern etc. Diese sind dann auch permanent weg und andere Wachen finden diese nicht mehr. Meuchelt man aber einen Gegner, der von einem anderen Soldaten ab und zu bequatscht wird so wird dieser nach einer Zeit merken, dass sein Kumpel fehlt und wird sich umschauen. Dies ist sehr nett gemacht und versprüht etwas mehr Realismus.

    Auch die Umgebung kann sinnvoll benutzt werden. Eiszapfen können von der Halterung losgelöst werden, Oxen können mit einem Steinwurf provoziert werden oder hängende Kisten finden auch gut und gerne die Köpfe mehrerer Soldaten. Dies erleichtert manche Situationen enorm, da nicht direkt Alarm geschlagen wird da es immer wie ein Unfall aussieht.

    In Häusern kann man sich ebenfalls verstecken. In Häusern findet nie die Action direkt statt (es gibt keine „begehbaren“ Häuser wie z.B. in Commandos 2). Wenn aber die Charaktere im Haus sind kann es sein, dass sich die Wachen ebenfalls Zutritt verschaffen. Dann muss man schnell raus, denn in Häusern kann man sich nicht verteidigen.

    Schön sind auch die verschiedenen Gegnertypen. Die normalen Wachen fallen auf Ablenkungsmanöver rein, sind tollpatschig und lassen sich schnell aus der Ruhe bringen. Die Strohhüte sind da schon resistenter. Sie bringt ein Steinwurf nur sehr kurz aus der Ruhe, schenken der geworfenen Flasche Sake von Mugen keine Beachtung und verlassen ihre Posten nie. Dann gibt es noch die Samurai, die besonders gefährlich sind. Nur Mugen kann sie in einem direkten Duell töten, alle anderen Charaktere finden selber den Tod und haben keine Chance. Per Schusswaffe (Gewehr oder Scharfschütze), können die Samurai kurz betäubt werden und sind dann anfällig gegen die Waffen der anderen Charaktere. Ebenfalls bringt Aikos Verkleidung nichts, die Samurai durchschauen ihren Trick und erkennen sie sofort. Dies bringt zusätzlich herbe Herausforderungen mit sich.

    Die Steuerung per Maus und Tastatur klappt reibungslos, nur manchmal klickt man etwas zu schnell auf einen Vorsprung oder einen Kletterhaken auf erhöhter Ebene, bevor der Charakter überhaupt diese erreicht hat. Dann klappts natürlich nicht. Auch die Kamera muss teilweise etwas nachjustiert werden, obwohl die Entwickler versprochen haben, dass man das komplette Spiel in der Standard-Ansicht beenden kann. Ich war jedenfalls froh um die freie Kamera, ist manchmal doch sehr praktisch um seine Pläne besser ausführen zu können.

    Auch das Gamepad wird unterstützt und ich habe dies in der Demo getestet. Geht überraschend gut von der Hand, dadurch dass man die Charaktere direkt bewegt fühlt es sich etwas „echter“ an. Nichtsdestotrotz will ich Maus/Tastatur nicht missen und habe seit der Vollversion auch nie mehr mit dem Gamepad gespielt. Aber für die Konsolen-Version ist die Gamepad-Steuerung bereits jetzt ein starkes Plus.

    Umfang
    13 Missionen, mit durchschnittlich 90 Minuten Spielzeit. Kommt sehr auf den Spielertyp drauf an, in der Regel dürfte die Kampagne in 25 Stunden erledigt sein. Ich bin nun schon an die 40 Stunden dran, habe alle Missionen auf „Hardcore“ abgeschlossen und schon viele Abzeichen geholt. Auch Achievements fehlen nicht mehr viel, obwohl einige klar mit Hilfe des Steam-Forums gefunden wurden. Die Abzeichen sind teilweise irrsinnig (töte niemanden, spiele keine Sekunde mit Charakter x, töte NUR mit y, löse keinen Alarm aus, begib dich nie ins Wasser etc. etc.).

    Dann gibt’s natürlich auch missionsbezogene Abzeichen zu erlangen, die das Töten von Missionszielen unter anderen Umständen voraussetzen. Und ja, dann noch die „Speedruns“. Muss sagen, ab der 3. Mission sind die Zeiten brutal knapp berechnet und auf den ersten Blick unmöglich zu erlangen. Natürlich hab ich mir dann Youtube Videos angeschaut um zu sehen, wie man’s machen kann. Im Nachhinein ist das meiste dann doch sehr simpel. Jedoch siehts dann aber auch wieder anders aus wenn man selber spielt. Der Zeitdruck ist spürbar, speichern kann man zwar, aber beim Laden läuft die verstrichene Zeit trotzdem weiter. Save-scumming ist hier nicht, man muss alles schön „an einem Stück“ schaffen.

    13 Missionen tönen auf den ersten Blick nach nicht viel (zum Vergleich: Desperados hatte 25, Commandos 1 auch gegen die 20 und Robin Hood afaik auch).
    Jedoch sind die Missionen so dermassen abwechslungsreich gestaltet und werden immer schwieriger, dass dies gar nicht gross ins Gewicht fällt. Natürlich hätte ich mir mehr Missionen gewünscht, aber gerade auch durch die Abzeichen ist man sehr lange beschäftigt. Und da eben keine Mission der anderen gleicht macht es sowieso Spass, die Missionen mehrere Male zu zocken. Ich bin überhaupt nicht der Achievement/Trophäen-Jäger, aber hier werde ich wohl wirklich versuchen, alles zu holen.

    Soundtrack
    Woah! Der ist brutal gut! Jede Mission hat ihr eigenes, spezielles Theme. Die Tracks sind sehr unterschiedlich, passen sich auch der Situation an und lassen den Spieler am Taktieren noch mehr Freude haben. Dank Xerxes hab ich den Soundtrack auf der Platte, mittlerweile kann man ihn für 3 Euro auf Steam kaufen ^^

    Grafik
    Schöner Stil, atmosphärisch und detailreich. Der leicht „comichafte“ Look passt perfekt ins Szenario. In den Levels sind sehr viele Details zu sehen und es erfüllt seinen Zweck voll und ganz. Das Spiel ist auch super optimiert, läuft butterweich und ich hatte nie Frame Drops.

    Fazit
    Ein Traum wurde wahr: Mimimi Productions lassen das Genre der Echtzeit-Taktik wieder auferstehen! Der Ninja-Spass im alten Japan ist bockschwer, gnadenlos, bestrafend und lässt die „Quickload“-Taste aus der Starre erheben.

    Shadow Tactics ist aber auch belohnend: wenn der Spieler eine schwierige, manchmal gar unmögliche Situation souverän meistert, dann löst dies ein totales Zufriedenheitsgefühl aus und man ist motiviert, die laufende Mission zu Ende zu bringen. Auch will man immer wissen wie es weitergeht und welches Design der nächste Level zu bieten hat.

    Ich war und bin immer noch total begeistert von diesem „Comeback“. Es ist ein MUSS für jeden Commandos und Desperados-Hasen, für jeden Strategen und für alle, die sich dieses Genre mal geben wollen. Mich hat Shadow Tactics bereits so begeistert, dass es auf meiner GotY-Liste in diesem Jahr auf dem 2. Platz landet.

    Hut ab, liebe Entwickler! Ihr macht den „Genre-Veteranen“ sowie auch Neueinsteigern eine enorme Freude! DLC‘s oder gar ein weiterer Teil dürfen sehr sehr gerne kommen!!