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  • Final Fantasy XV Review by ushan



    Final Fantasy XV

    Story

    Final Fantasy Spiele haben allesamt im Grunde dieselbe Story: ein Konzern/Imperium/Bösewicht treibt im Hintergrund die Vernichtung der Welt voran, während vordergründig ein anderer Konflikt ausgetragen wird. Der/die Protagonist/en ist/sind der Herausforderung anfänglich nicht gewachsen und begeben sich auf eine Reise, an deren Ende die grosse Konfrontation erfolgt. In den meisten Spielen der Reihe gewinnen die "Guten", in einigen - die "Bösen".

    Grundsätzlich zeichnen sich die erzählten Geschichten durch übergeordnete apokalyptische Dramatik und gewaltige Epik, während im Mikrokosmos mehr oder weniger nervige japanoide Klischees die meiste Zeit über peinliche Dialoge von sich geben, die entweder komplett sinnbefreit sind, oder so deep, dass es wieder lächerlich wird.

    Auch FF XV folgt diesem Strickmuster, oder besser gesagt möchte diesem Strickmuster folgen. Aufgrund exorbitant langer Entwicklungszeit, mehreren Re-Designs und Neustarts und ein zum Ende hin überstürzter Release ist die Folge, dass die in FF XV erzählte Geschichte einem gewaltigen und enttäuschenden Nichts gleich kommt, dass zwar hier und da bombastische Szenen im Spiel zeigt, zu diesen aber niemals ein Spannungsbezug entsteht, da die meisten handelnden Charaktere einem absolut egal sind - sei es weil man sie teilweise bis zu diesem Zeitpunkt nie gesehen hat, oder weil schlicht die Backstory fehlt...

    Auch Square Enix war dies wohl bewusst, weswegen sie Begleitmedien veröffentlich haben, deren Zweck darin besteht, der "Story" ein kohärentes Gesamtbild zu geben. Durch den CGI-Film Kingsglaive und den 4 Anime-Folgen rund um Noctis' Gefährten, soll der Spieler das Hintergrundwissen um die Geschehnisse selbst rekonstruieren.

    Ja - die Story ist unglaublich interessant, so man sich denn überhaupt reinliest, reinguckt etc. Auch der eigentliche Hauptbösewicht ist sehr interessant und in Anbetracht seines Werdegangs eine überaus tragische Figur. Dennoch wirkt es bei FF XV so, als ob in der Kerndisziplin des Franchises, nämlich der Story, absolute Amateure tätig waren. Es ist einfach unverzeihlich was für eine Story-Müllhalde hier zum Spielen einladen soll.

    Eos, Lucis und die Krux der Open World

    FF XV spielt in Eos - zum Grossteil im Lande Lucis und in ein paar weiteren instanzierten, aber sehr kleinen Einzelgebieten. Von Anfang an kann man die Welt erkunden - absolut frei und ohne jegliche Gameplay- oder Storyzwänge. Wenn man will kann man das Spiel in 20 Stunden durchspielen. Wenn man will kann man auch 60 Stunden in Lucis verbringen, ohne auch nur einen Schritt des Storyweges beschritten zu haben. Diese vollkommene Freiheit steht der storybezogenen Hintergrunddramatik komplett diametral entgegen und bringt die ohnehin torkelnde Geschichte komplett zum Einsturz. Warum soll ich Lunafreya retten gehen, wenn sie mir komplett egal ist und ich lieber Regenbogenfrösche jage? Warum soll ich diese blöden Königswaffen sammeln, wenn sie allesamt optional sind. Aus Stolz über meine Abstammung? Sowohl mein Königreich, als auch mein Vater sind mir völlig egal. Lasst uns campen! Was labert mich dieser Ardyn zu und was ist das überhaupt für ein Knilch? Ich will lieber fischen gehen...

    Die Open World von FF XV ist sehr gross und sehr vielfältig. Umso erstaunlicher die vielen Stolpersteine die einem das Spiel entgegenwirft, obwohl es ja eigentlich zur Entdeckung einladen soll. Da wird strikt auf Schienen gefahren, mit gefühlten 2 Kilometern pro Stunde. Vor allem zu Beginn muss alle paar Kilometer aufgetankt werden, weil das Auto sonst irgendwo in der Pampa hängen bleibt. Der Tag/Nachtwechsel ist absurd schnell. Man hat kaum Zeit einen Questpunkt anzusteuern und unterwegs 1-2 unvorhergesehene Kämpfe zu absolvieren, bevor man wieder aufpassen muss, wo man nachts hingeht, wenn man nicht von völlig overpowerten Monstern zu Müsli verarbeitet werden möchte.

    Die meisten optionalen Quests sind ohnehin Langeweile pur - töte 5/5 soundso oder 7/7 davon. Sammle die Hundemarke ein. Bringe ein Reparaturkit. Inspiziere die drei Energiemasten. Schliesse 7 Ventile. Sammle 5 grüne/gelbe/rote/Regenbogenfrösche. Beschäftigungstherapie in Reinkultur. Immerhin kurzweiliger und etwas motivierender als der inexistenten Story zu folgen.

    Man verliert sich dennoch komplett in dieser Welt - genauso wie die Entwickler den Faden verloren haben. Es ist absolut erstaunlich.

    Irgendwann merkte Square Enix wohl, dass noch eine Geschichte erzählt werden muss und dass die sinnfreie aber spassige Open World eine spannende Geschichte verhindert. Also wechselt man in der zweiten Hälfte (oder im letzen Drittel) in einen Schlauch, der sogar noch schlimmer als die berühmtberüchtigten FF XIII Schläuche ist. Das letzte Drittel von Final Fantasy XV spielt fast ausschliesslich in einem Zug oder besser gesagt auf einem Zuggang. Man geht nur vor und zurück und zwar so ewig lange und verdammt langweilig, bis das Spiel entweder irgendwas im Hintergrund geladen hat oder zur Einsicht kommt, dass jetzt genügend Flächengrösse simuliert wurde und der Spieler für 1-2 Kämpfe wieder an die frische Luft raus darf, bevor er wieder in den Zuggang gesperrt wird. Es ist Schrott. Es ist Müll. Erzählerisch eine Beleidigung, programmiertechnisch die faulste aller möglichen Lösungen. Nun gut, denkt man sich, werde ich halt durch die Geschichte gelotst. Wäre ja auch gut, wenn man die Hintergründe kennt, dann fiebert man wohl mit. Ich habe nichts davon gespürt. Ja - ich habe Kingsglaive 2 Mal geschaut, ja, ich habe auch den Anime geschaut und bis auf den Bösewicht sind mir bis zum Schluss alle Figuren absolut egal gewesen. Ich habe am Schluss geheult, aber eher wegen dem Bösewicht und wegen der Dramatik einer Geschichte die zwar da war, aber Square nicht in der Lage war zu erzählen. Unfassbar eigentlich.

    Gameplay

    Das nun, und das kann ich 100 prozentig zugeben und garantieren, ist eigentlich das was mich seit mittlerweile 80 Stunden in Lucis hält. Das Kampfsystem wird mit voranschreitender Spielzeit und aufsteigendem Level immer komplexer. Die gefundene/gekaufte/gebastelte Ausrüstung wird immer wichtiger. Level 99 (den Höchstlevel) zu erreichen ist kein Garant für Erfolg. Wenn man nicht taktisch vorgeht, die falschen Waffen ausgerüstet hat, die falschen Accessoires auf sich trägt und die Steuerung mit Schlagen, Blocken, Porten, Warpen, Linken, Blindsiden, Breaken etc. nicht beherrscht, wird man ganz schnell von einigen Level 42 Mobs aufgerieben.

    Es ist unglaublich tiefgründig, hochkomplex und erlaubt bei guter Beherrschung absurd geile Combos, welche ein Zerstörungsfeuerwerk auf dem Bildschirm zünden, wie ich es in einen JRPG selten zuvor erlebt habe. Wenn dann auch noch die Summons mitmischen ist die Gänsehaut vorprogrammiert. Ohne Zweifel ist das Kampfsystem das grosse Herausstellunsgmerkmal des 15. Teils und ich finde es einfach perfekt.

    Die Boyband

    Anders als in allen bisherigen Final Fantasies spielt man erstmals nicht unterschiedliche Charaktere. Man ist auf Noctis beschränkt, wobei die 3 Kumpane Prompto, Ignis und Gladio weitgehend selbstständig agieren und man ihnen von Zeit zu Zeit Sepzialkommandos geben kann, wenn die entsprechde Aktionsleiste aufgefüllt ist. Da kann dann Prompto einen gezielten Schuss setzen, Gladio einen Wirbel mit dem Grosschwert entfesseln oder Ignis passenderweise einen Zauber wirken, der gekonnt die Schwächen des entsprechenden Gegner ausnützt.

    Zwischen den Kämpfen verbringen die Jungs den Grossteil der Zeit im Auto, hören sich Musik aus alten FF-Spielen an, steigen immer wieder mal aus, um Fotos zu schiessen oder Chocobos zu reiten, reden völlig bekloppt und behindert über Mädchen, ziehen sich gegenseitig auf etc. Es ist absurd, was da abläuft, wenn man bedenkt wie dramatisch der Aufbruch war, dass die Welt den Bach runter geht und die vier nichts besseres zu tun haben, als umherzufahren und sich die Zeit auf einem ziellosen Roadtrip zu vertreiben! Viele Reviews loben die Freundschaft der Jungs. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, hätte ich den Anime nicht geschaut. Kennt man diesen nicht, regt man sich nur darüber auf wie der eine verklemmt Schwule nur Fotos vom Muskelprotz der Gruppe schiesst, der andere nur an Kochrezepte denkt, der dritte seiner grossen Liebe nachheult, die er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat... Warum sollen das Freunde sein? Was schweisst sie zusammen, ausser dass die drei des Prinzen Bodyguards sind?

    Trotzdem habe ich die Jungs extrem liebgewonnen während meiner 80-stündigen Spieldauer. Allerdings wohl eher aus Gewohnheit und nicht weil deren ach so tiefe Freundschaft so grandios und realistisch dargestellt wird...

    Sound und Musik

    Ich habe grösstenteils die englische Sprachfassung gespielt, da sie mir gefiel. Ich habe mir von verschiedenen Seiten sagen lassen, dass es in der deutschen und der japanischen Originalvariante teilweise erhebliche übersetzungsbedingte Abweichungen gibt, die seltsam sind. Das kann ich nicht beurteilen. Sowohl die deutschen als auch die englischen Sprecher waren gut.

    Der Soundtrack ist ebenfalls sehr gelungen. Einige der Kompositionen sind wunderschön, andere so ohrwurmhaft komponiert, dass ich sie noch lange summen werde.

    Fazit

    Final Fantasy 15 ist schlicht kaputt. Nichts ergibt auch nur annähernd ein kohärentes und überzeugendes Gesamtbild. Liest man mein Review, denkt man wohl was das soll? Ist denn irgendwas am Spiel überhaupt gut? Ja, den so kaputt FF XV auch sein mag, so toll ist es irgendwie geworden. Und ich kann nicht darauf zeigen, ohne vielleicht das Kampfsystem. So viele der einzelnen Bestandteile von FF XV sind ünüberlegt, unlogisch und einfach nur Scheisse. Da muss doch die Summe der Einzelteile auch völliger Quark sein. Das ist aber nicht der Fall. Löblicherweise hat Square angekündigt die groben Probleme in Zukunft durch Gratispatches etc. ausbügeln zu wollen. Doch auch wenn sie drin bleiben, ist FF XV mehr als nur die Summe seiner Teile. Ich hätte kaum 80 Stunden gespielt, wenn es nicht schlecht und gleichzeitig ein Geniestreich wäre. Was es zum Geniestreich werden lässt, kann ich nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass FF XV definitiv ein Geniestreich ist.

    Unglaublich.