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  • Final Fantasy XV Review by radiant



    Final Fantasy XV
    played on PS4 Pro


    Spielzeit: Gem. Bild unten, 54h 42min 26sek
    In dieser Zeit Erlebtes: Hauptgeschichte komplett, >80 Sidequests, Chocobo-Rennen, Fischen, mal mehr, mal weniger mühsame Dungeons, 4 Brudis zum Liebhaben
    Genre: Nippon Action-RPG




    Pro & Kontra

    + Wunderschöne, offene Spielwelt
    + Dynamisches und atmosphäreschaffendes Wettersytem
    + Handlungen in der Haupgeschichte, wenn auch nur selten direkt beeinflussbar, haben Auswirkungen auf die Welt
    + ....was sich in besorgten Bürgern, veränderten Wetterbedingungen etc. zeigt.
    + Viel zu tun (fischen, jagen, suchen, sammeln, farmen, entdecken etc.)
    + Über weite Teile fantastisches Gegnerdesign (dat scale!)
    + Massig Endgame-Content und -Herausforderungen
    + Eine grundsätzlich extrem spannende und emotionale Geschichte
    + Tolles Road"movie"-Feeling
    + Noctis-Gladiolus-Ignis-Prompto-Quartett, das eine wundersame Entwicklung vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan durchmacht
    + Abwechslungsreiches Eos (verschiedene Gebiete, vom saftigen Grün über orange-glühende Wüste, hin zu malerischen Stränden, Viadukten und und und)
    + Wieder ein toller, charakterstarker Hauptantagonist, der zugleich eine tragische Figur verköpfert
    + Ein gelungenes Spiel mit den Emotionen des Spielers (mag ich Ardyn jetzt oder nicht?)
    + Fast schon konkurrenzlos gutes Kampfsystem
    + Hammermässige Summons... meine Fresse wie die Kacke da am Dampfen ist!!!!

    - Das Konzept der offenen Spielwelt kollidiert sehr, wenn nicht zu oft mit einer lapidar-lose präsentierten Story
    - Ja... die Story - sie kommt - entgegen dem Regalia - lange überhaupt nicht in Fahrt und fährt dann ihr grosses Geschütz auf, wenn man sich im dämlichen Chapter 13 wiederfindet
    - Dat Chapter 13.... dudes...
    - Nochmals Story: Wer sich nicht noch den Animé, den Kingsglaive-Film und die in Dokumenten und Gesprächen im Spiel enthaltenen Storyfetzen gibt, steht blöde da
    - Nebenaufgaben zwar spielerisch grundsätzlich spassig, kommen aber nie und nimmer über 08/15-Fetchquest-Niveau heraus
    - Einige Dungeon-Designs zum Schreien (es tut manchmal wirklich weh...)
    - Dat radi-Kamerabug.... so etwas habe ich noch nie erlebt
    - Recht schülerhaft zusammengeklebte Chapter, denen es lange an Inhalt und storytechnischer Relevanz mangelt
    - Brudi-Gespräche wiederholen sich ZU oft (JA ICH WEISS DASS ES HEISS IST und ich eine Jacke anhabe)
    - Automatisches Geklettere - keine Einflussnahme möglich





    Noctis: "Fools set the rules in this world. Just take a look around. It's undeniable."


    Es ist schwer, ein Review für ein Spiel wie dieses mit den richtigen Worten zu beginnen. Letztlich aber passen die einleitenden Intro-Worte beim Aufstarten des Spiels wie die Faust aufs Auge: Ein Final Fantasy für Fans und Neueinsteiger. Das ist es in der Tat, und diesen Spagat haben die Entwickler wunderbar hinbekommen. Selten zuvor durfte man in einem Final Fantasy einen solchen Grad an Freiheit geniessen - und so ist es denn auch die frei begehbare Spielwelt, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. All zu oft habe ich der Story gar nicht folgen wollen, weil ich mich viel lieber in hundsbanalen Fetchquests und Jagdaufträgen verloren habe, dessen daraus resultierendes Leveling mir unfassbar viel Spass gemacht hat. Ich bestritt Rennen auf Chocobos, wurde durch einen unvermittelten Wildwechsel auf der Strasse überrascht, lauschte beiläufig den Gesprächen von Dorf- und Stadtbewohnern, entdeckte hunderte lauschige Plätzchen, die mal zum Farmen, mal zum Jagen geeignet waren, legte unzählige Kilometer mit dem royalen Regalia zurück und horchte dabei den Klängen vergangener Final Fantasy-Episoden, die ich mir stilecht beim örtlichen Händler kaufen konnte und sogar unterwegs zu Fuss hören durfte, bestritt unzählige Kämpfe gegen die Schergen des Imperiums, das meinen Trupp auf Schritt und Tritt verfolgte, ein Vorhaben, das sein jeweils jähes Ende in der Infiltration einer Feindesbasis fand. Ich schnupperte vernebelte Luft entlang eines grossen Sees, der von noch grösseren Wildbewohnern gemütlich durchwatet wurde und genoss die ersten Sonnenstrahlen nach einer hartdurchkämpften Nacht, die mit wenigen Heiltränken auf Reserve nur knapp überstanden wurde. Ich erklomm einen gewaltigen Vulkan, erkundete sein Innerstes, entdeckte sagenumwobene und manchmal auch längst vergessene Königsgräber, saugte ihre Macht in das meinige Innere auf und wurde mächtiger, als es sich das Imperium wohl erhofft hatte. Ich durchlitt Wogen der Wut und der Enttäuschung, aber auch des Glücks und der Liebe, in meinem Freundeskreis, wurde des öfteren von Gladio auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt rettete sie gleichermassen wieder aus den Fängen des Feindes. Ich half den Bewohnern von Eos bei Autopannen, bestaunte brachial iszentierte göttliche Eingriffe in Kämpfe, die mir schlicht und einfach das Gehirn aus dem Schädel geblasen habe und lechzte nach einem der besten actionorientierten Kampfsystemen in der Final Fantasy-Reihe. Ich bestaunte gigantische und altertümliche Bauten, versunkene Tempel, floh völlig in Rage versetzt aus beschissen designten Siecher-Kanalisationen, nur um neue Scheinwerfer für meinen Regalia zu ergattern und erfreute mich ab einer Katze, die nur in einem Spiel wie diesem als Questgeber fungieren kann.

    Ich denke, man kann sagen, dass ich das Spiel regelrecht aufgesogen habe. Und das obwohl ein gewaltiger Backlog an Mängeln, undurchdachten, wenn nicht gar masslos-frechen Entscheidungen und einer Story-Zerstückelung, die ihres gleichen sucht, eigentlich genau das auch hätte verhindern können. Da wären die eingangs erwähnten und lückenhaft zusammengepflasterten Kapitel, die mal mehr, mal weniger spannend sind, die Tatsache, dass man den Regalia in der offenen Welt nur schienenartig steuern kann, er sich aber völlig frei fahren lässt, wenn man sich in einem schlauchartigen Eisenbahntunnel fortbewegt, eine Story, die in den ersten 8 Kapiteln ihre Bezeichnung fast nicht verdient hat und just im spielerisch absolut schlimmsten Kapitel mit der unglücklich getroffenen Nummer 13 (FF XIII als grosses Zwiegespenst der FF-Community, Versus XIII nie erschienen und umfunktioniert in dieses epochale Machwerk, etc. etc.) einen ihrer, wenn nicht ihren grössten Höhepunkt findet. Dabei fand ich die Kapitel 10, 11 und 12 eigentlich gar nicht mal so schlecht. Lediglich die Bezeichnung "Kapitel" ist mal mehr, mal weniger sinnfrei, weil eigentlich nichts grossartiges passiert. Wenn man hier den Fehler (ge)macht und sich einen mittlerweile gelöschten 4chan-Chat mit einem beteiligten Entwickler durchgelesen hat, der relativ klar aufzeigte, was für gigantisches und risikoreiches Clusterfuck-Unternehmen Final Fantasy XV eigentlich ist und dass man gezwungen war, die Story von ursprünglich angedachten drei Spielen in eines zu quetschen, wobei besagte Kapitel so-gerade-noch-irgendwie ihren Weg ins finale Spiel gefunden haben, dann fasst man sich mit allen zur Verfügung stehenden Händen an den Kopf und schreit innerlich laut "WARUM!!!!".




    King Regis: "Take heed. Never bow out of what you begin. So long as you carry the blood royal, so long as you carry my name…carry your head high."


    Gleichermassen bemängeln muss ich an dieser Stelle eine Enthüllung aus Chapter 13, welches nicht nur spielerisch, sondern auch stilistisch (Jumpscares, Horrorelemente, wtf!!!) praktisch mit dem ganzen Rest des Spiels bricht, die einfach mal dir nichts mir nichts aus den vollen geschöpft, aber nicht näher erklärt wird. Und das packe ich jetzt mal in einen gepflegten Spoiler:

    Prompto


    Nirgends, weder im Animé, noch im Film, noch im Spiel wird näher darauf eingegangen. Man lässt einfach so eine kleine Bombe platzen, deren einzige Nachwirkung die ist, dass der Spieler konfus zurückgelassen wird. Kein Backflash, keine näheren Beweggründe - und dem Quartett ist es ein paar Minuten später ohne zu hinterfragen absolut egal. Ansonsten allerdings werden spätestens zu diesem - zugegebenermassen eigentlich zu - späten Zeitpunkt Storyakzente gesetzt, die sich zu einem wundervollen Ganzen zusammenfügen - vorausgesetzt, man gibt sich (kostenlos) den Animé und schaut für einen 20er auch noch den Kingsglaive-Movie (und liest sich auch sonst in die relevanten Akzente ein, die per se am Ende so in dieser Form nicht absolut klar erscheinen). Tut man das aber, wird man mit einer absolut tragischen Geschichte eines Mannes, einer ergreifenden Freundschaft und einem absolut fantastischen und emotional geladenen Ende, einer... ja "Final Fantasy" von
    ....
    , belohnt. Darüber hinaus ist das letzte Kapitel so brachial inszeniert, dass es den vorangegangenen Schandfleck beinah mit einem einzigen Wisch auszuradieren vermag... - nun, beinah. Ich kann mir nur in meiner Fantasie ausschmücken, was aus diesem Spiel geworden wäre, wenn die Entwickler den Storyfokus und die präsentatorische Imposanz der letzten Kapitel über das ganze Spiel hindurch hätten halten können, storyrelevante Inhalte nicht ausgelagert worden wären und man sich mit den Nebenquests, in die ich mich notabene und aller logischer Kritik zum Trotz einfach nur verliebt habe, nur ein fucking Mü mehr Mühe gegeben hätte. Ich wäre mir alles andere als sicher, ob Dark Souls III seinen Platz auf dem Thron des Jahres 2016 hätte halten können. Denn allen Unkerufen und Miesepetern entgegen ist Final Fantasy XV das vielleicht wohl rundeste Quadrat, das mir in meiner Videospielkarriere untergekommen ist. Schimpft all jene Lügner, die bei diesem Monument all das Herzblut, den Schweiss und die Tränen, die in den letzten 10 Jahren hier reingeflossen sind, abstreiten oder - noch schlimmer - nicht sehen wollen. Final Fantasy XV quillt über vor Liebe und Gefühl, strotzt vor Stärke und Selbstvertrauen und will sich wie ein mit Magma vollgepumpter Vulkan über uns entladen - und wird trotzdem sträflich und mit geballter Square-Enix-Power unterdrückt und geknebelt. Ich möchte weinen, obwohl ich hier >50h lang reinste Gameplay-Ergüsse erlebt habe. Meat-Beating par Excellence, egal ob man in den Regionen Duscae oder Accordo befindet.

    Ja, man darf die Nebenquests als langweilig empfinden - hier wird nicht wegen jeder Kleinigkeit ein Theater aufgeführt, wie das bei Meister Geralt der Fall ist. Nicht dass dort grundsätzlich dasselbe gemacht wird (holen, bringen, jagen, finden) - nur halt mit einer Geschichte ausgeschmückt. Spielerisch jedenfalls - und rein auf den Inhalt der Aufgabe bezogen, braucht sich Final Fantasy XV jedenfalls nicht vor dem Hexer zu verstecken, zumal es dort jedenfalls keine Justice-Monster-Five-Flipperautomaten oder eine Monster-Kampfarena gibt, in der man seine Wetten platzieren könnte, um einen Turbolader Ultra abzustauben :P.



    Selbstverständlich ist in Eos nicht alles aus purem Gold, und noch weniger glänzt auch alles. Mich jedoch haben Spielwelt, Charaktere und insbesondere das phänomenale und motiverende Kampfsystem so dermassen geflasht, dass ich mit spielen gar nicht aufhören konnte und die nächsten Wochen wohl auch nicht gedenke, dies zu tun - insbesondere weil die Platin-Trophy hier wohl so sicher wie das Amen in der Kirche eingeholt wird. Ich habe schlicht und einfach unglaublich viel Spass mit diesem Spiel. Ihm wohnt eine Magie inne, die ich nicht verstehe und noch weniger zu kontrollieren vermag - ihr aber voll und ganz erlegen bin. Ich liebe es, mit all seinen Ecken und Kanten. Und ich werde mich auch wieder in meinen persönlichen Hass-Dungeon begeben, nur um dem Scheissteil zu zeigen, wer der Herr im Hause ist! Ich will wieder nach Altissia, diese wunderschöne und mit ihren Wasserkanälen an Venedig erinnernde Stadt, und mich der dortigen Wett-Arena hingeben. Ich will die Riesenschildkröte in der Wüste mit Ramuhs Zorn niederstrecken, ich will die High-Level-Dungeons und tiefen Sphären von Eos' Unterwelt erkundschaften, Cidney mit Prompto stalken, die Ultima-Motorklinge ergattern, so lange fischen, bis die Fische selbst Meisterfischer Noctis zum Hals heraushängen und ich will, dass mich Final Fantasy XV noch lange storytechnisch fesselt, wie sie es seit dem gestern erblickten Abspann tut. Ich erlebe derzeit einen ähnlichen Story-Irrsinn, wie ich ihn letztes Jahr mit The Force Awakens durchlebt habe. Ich will alles ergründen, alles erfahren und alles aus diesem Spiel herausholen. Auch wenn man dazu einen dezenten Hang zu einem SingleplayerMMO - ein super Ausdruck und passt hier unfassbar gut - haben muss.

    Und wenn es das ist, was Final Fantasy XV mit mir anstellt und wenn dies das allen künftigen Final Fantasy's zugrundeliegende Fundament ist, dann bin ich schlicht und einfach gezwungen, dem Spiel den folgenden Stempel aufzudrücken:




    Lang lebe König Noctis



    .... auch wenn es grundsätzlich mit aller Objektivität eigentlich ein





    ist....



    Haters gonna hate



    Ich liebe es













    Ach - und Chocobos for President:




    TL;DR-Version:
    Chöifs!
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Welches Spiel habt ihr zuletzt beendet? - Erstellt von: DeftOne Original-Beitrag anzeigen